Es ist ziemlich genau 40 Jahre her, dass ich zum ersten Mal nach Indien geflogen bin und u.a. die überwältigende Millionenmetropole Kalkutta besucht habe. Damals habe ich noch kein Golf gespielt, leider! Dementsprechend bin ich auch nicht auf die Idee gekommen, den ältesten Golfplatz außerhalb Großbritanniens, den 1829 (!) gegründeten Royal Calcutta Golf Course aufzusuchen. Schade eigentlich.
Gut 20 Jahre später war ich wieder in der Gegend. Im Jahr 2008 um genau zu sein. Mit dem FC Bayern München auf der Abschiedstour von Ottmar Hitzfeld und Oliver Kahn. Auf Bali habe ich mit Ottmar die schönste Golfrunde meines Lebens gespielt. In Kalkutta ließ ich mich zwar von Oliver zu einer gemeinsamen 9-Lochrunde überreden, aber Oli verschlief die frühe Aufbruchszeit. Allein hatte ich keine Lust bei über 35 Grad und gefühlt 120 Prozent Luftfeuchtigkeit auf den Platz zu gehen. Also wieder kein Golf in Indien!
Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass ich nicht nur Golfplätze sammle (ich bin inzwischen bei 924 angekommen!), sondern auch Länder, in denen ich gegolft habe. 33 waren es bis Dezember. Inzwischen sind es 34. Indien ist also dazu gekommen mit zwei, sagen wir mal „högscht interessanten“ 18-Loch-Runden im Süden des Landes.
Indien ist ein faszinierendes Land. Aber auch ein Land der Extreme, ein Land der Gegensätze! Eine Feststellung, die auf Vieles zutrifft. Auch auf den Golfsport! Auf geschätzte 1,5 Milliarden Einwohner kommen nämlich gerade mal (geschätzte) 100 Plätze. Folglich teilen sich 15 Millionen Inder einen Platz (in Deutschland steht die Quote bei ca. 120 000 : 1!). Soviel zur Bedeutung dieses wunderbaren Spiels im inzwischen bevölkerungsreichsten Land der Erde.
Von den ca. 100 Plätzen (die „offiziellen“ Angaben schwanken zwischen 58 und 450 Plätzen!) sind die meisten in privater bzw. militärischer Hand und lassen keine Greenfeespieler zu. Anfragen von „wichtigen Golf-Journalisten“ werden müde belächelt bzw. gar nicht erst beantwortet!
Aber es gibt sie natürlich doch auch, die Plätze, die Gäste bzw. Greenfeespieler willkommen heißen. Zum Beispiel der CIAL Golf Course in Kochi. Der einzige 18-Lochplatz übrigens im auch von westlichen Touristen recht häufig besuchten Bundesstaat Kerala. Klar, ich schnappe mir meinen Sohn, ein Uber Taxi (Kosten für eine gut zweistündige Fahrt ca. 12 €!) und begebe mich ins Abenteuer Golf in Indien, mein Golfland Nummer 34.
Der Platz liegt nur wenige Meter vom internationalen Flughafen Kochi entfernt. Was auf der Runde auch unschwer zu erkennen ist. Bei manchen der über die Köpfe der Golfer hinweg düsenden Flugzeuge hat man den Eindruck, sie wollten unmittelbar hinter dem Grün landen. Oder auf dem Grün. Oder dem Fairway!
Kein Problem, man gewöhnt sich sehr schnell daran und sieht das bald als zusätzliche Attraktion eines ohnehin sehr gelungenen Platzes an. Auch, weil die Frequenz der landenden und startenden Flugzeuge deutlich niedriger ist als zum Beispiel über Son Gual auf Mallorca.
Der CIAL Golfplatz ist zweigeteilt. Die vorderen neun Löcher liegen auf der linken Seite hinter dem Clubhaus, die Backnine dementsprechend rechts. Wer nur Zeit (oder Lust) für neun Löcher hat, dem seien die hinteren Neun empfohlen, bei denen an sieben Bahnen Wasserhindernisse ins Spiel kommen. Darunter auch ein Halb-Inselgrün am krönenden Schlussloch.
Aber auch die vorderen neun Bahnen haben es in sich. Mit einem interessanten, abwechslungsreichen Layout um einen großen See, bevölkert von verschiedensten Vogelarten. Darunter natürlich auch dem berühmten Kingfisher (Eisvogel) mit seinem strahlend blauen Gefieder.
Der Zustand des Platzes ist dank des vielen Wassers und einer speziellen, sehr resistenten Bermudagrassorte überraschend gut. Schön ist die Abwechslung zwischen extrem langen und sehr kurzen Par-4 Löchern. Fairways und Landezonen dagegen sind einheitlich schmal! Die zum Teil riesigen Grüns, mit meist nur kleinen Ondulierungen, sind nicht sonderlich schnell, aber sehr spurtreu. Lediglich die Abschläge lassen – optisch – manchmal etwas zu wünschen übrig.
Nicht nur wegen der oft enormen Hitze ist es zu empfehlen, sich ein Cart zu „leisten“. Sondern auch, weil die Wege auf den hinteren neun Löchern zum Teil ordentlich lang sind.
Apropos „leisten“. Jetzt kommt das vielleicht Beste: Wir haben zu zweit für je 18 Löcher, zwei ordentliche Leihschlägersets und ein Cart zusammen umgerechnet ca. 75 € bezahlt (unter der Woche wäre es noch günstiger gewesen!).
Ähnlich waren die Preise auf dem zweiten Platz, den ich gespielt habe, dem Coimbatore Golfplatz im benachbarten Bundesstaat Tamil Nadu. Mein Urteil: Kann man spielen, muss man aber nicht. Zustand und Layout „naja“, Leihschläger vorhanden, mehr aber auch nicht.
Ganz andere Preise ruft dagegen der anfangs erwähnte „Royal Calcutta Golf Course“ auf. Da schlägt das Greenfee momentan mit ungeheuerlichen, fast schon unverschämten 65 € zu Buche. Ok, könnte ich mir eventuell gerade noch leisten. Also, sollte ich es nochmal nach Indien schaffen steht Kalkutta (das entgegen eines bekannten Schlagertextes übrigens nicht am Ganges liegt!) ganz oben auf meiner Besuchs-Liste. Wegen des bekanntesten Slums Indiens, der „Stadt der Freude“, in erster Linie aber wegen des ältesten Golfplatzes außerhalb Großbritanniens. Egal, ob ich als „wichtiger Golf-Journalist“ Greenfee-Ermäßigung bekomme oder nicht. Den muss und werde ich einfach spielen! Bericht folgt, versprochen, kann aber ein bisschen dauern…..
Text und Bild: Herbert Steffe
